Ausflüge | 2012/06 - 22. März, S. 5


Endspurt für die Ringbahnhalle


Heiße Phase am Ostkreuz mit S-Bahn-Totalsperrung vom 30. März bis 16. April


Am Ostkreuz steht die größte zusammenhängende Sperrpause im Bauablauf bevor. Die gute Botschaft: Alle Verkehrseinschränkungen für die Fahrgäste, die bis zum Bauende 2016 noch folgen, sind weniger gravierend. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Bis zur Eröffnung der Ringbahn-halle am 16. April steht Fahrgästen wie Bauleuten auf dem östlichen S-Bahn-Ring eine sehr schwierige Phase bevor.

Dazu ein Gespräch mit Mario Wand, Projektleiter Ostkreuz, DB Projektbau GmbH, und Jens Hebbe, Leiter Betriebsplanung S-Bahn Berlin GmbH.

Mario Wand
Mario Wand

Gut zwei Wochen Vollsperrung der S-Bahn-Gleise zwischen Schönhauser Allee und Neukölln bzw. Baumschulenweg. Warum und warum jetzt?

Mario Wand: Die Inbetriebnahme der neuen Ringbahnhalle ist ein großer Schritt auf dem Weg zur neuen Verkehrstation Ostkreuz. Ab 16. April sollen hier die S-Bahn-Züge halten. Doch um die Gleise in das Schienennetz einfügen und gleichzeitig an ein hochmodernes elektronisches Stellwerk anschließen zu können, brauchen wir diese Sperrpause. Wo an gleicher Stelle Neues gebaut werden soll, muss das Alte erst einmal weichen.

Um die Zeit optimal zu nutzen, werden in derselben Sperr-pause auch die Eisenbahnbrücke Alt Stralau in Betrieb genommen, am Wiesenweg nahe der Boxhagener Straße eine Behelfsbrücke eingebaut und an der Schönhauser Allee Weichen erneuert.  Und warum jetzt? Weil bereits seit Jahren die Osterferien 2012 im Bauablauf dafür vorgesehen sind, denn dann sind weniger Berufspendler unterwegs, deren Geduld durch die Bauarbeiten ohnehin auf eine besonders harte Probe gestellt wird.

Was passiert während der Vollsperrung?

Mario Wand: Den größten Teil der Sperrpause nimmt die Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks Frankfurter Allee ein. Dieses regelt ab dem 16. April den Zugverkehr über sieben Stationen auf rund zehn Kilometern Streckenlänge. Gesteuert werden zum Beispiel 118 Signale und diverse Weichen. Dafür wurden in den vergangenen Monaten rund 240 Kilometer Kabel verlegt.

Die Software der benachbarten Stellwerke Neukölln, Westkreuz und Bornholmer Straße muss angepasst werden. Weiterhin wird die Software in der Betriebszentrale Halensee gewechselt werden, das komplette Gleisfreimeldesystem wird erneuert und die neuen Ringbahnhallen-Gleise werden an das bestehende Netz angefügt werden – um nur einiges zu nennen. Ein Riesenberg Arbeit, der in diesen 16 Tagen geschafft werden muss. Ostern fällt in diesem Jahr also für alle Bau-Beteiligten aus!

Ringbahnhalle

Was verbessert sich nach dem 16. April für die Fahrgäste?

Mario Wand: Die Fahrgäste werden dann unter dem Dach der neuen Ringbahnhalle erstmals in der Geschichte dieses Bahnhofs wirklich wettergeschützt ein- und umsteigen können. Die ersten Aufzüge stehen zur Verfügung (zu den Ausgängen Sonntagstraße und Hauptstraße/Markgrafendamm) und die Vorsorgung mit Artikeln des Reisebedarfs erreicht einen weitaus höheren Standard als bisher. Hierfür stehen dann fünf Verkaufspavillons zur Verfügung. Alles werden wir noch nicht fertig haben, aber die Nutzbarkeit des neuen Bahnsteiges wird am 16. April gegeben sein.

Doch wie kommen die Fahrgäste während der Totalsperrung z.B. von Schöneweide nach Pankow, wenn auf der U-Bahn-Linie U2 gleichzeitig gebaut wird?

Jens Hebbe
Jens Hebbe

Jens Hebbe: BVG und S-Bahn Berlin haben ein gemeinsames Konzept für Ersatzverkehre und Umfahrungsmöglichkeiten entwickelt. Glücklicherweise hat ja Berlin ein im europäischen Maßstab einmalig dichtes Verkehrsnetz. Und so können die Fahrgäste dem gesperrten Bereich in vielen Fällen mit Hilfe anderer S-, U- und Straßenbahnen oder Bussen ausweichen, wie auf der Karte deutlich wird.

Für die großräumige Umfahrung sind vor allem die über die westliche Ringbahn umgeleiteten S-Bahn-Linien, die U8 und die U5 zu empfehlen. Die Metrostraßenbahnen M1, M10 und M17 der BVG ermöglichen ebenfalls gute Alternativen ohne mit dem Ersatzbus zu fahren.

Damit die Kunden auch in die lokale Nähe der geschlossenen S-und U-Bahnhöfe kommen, haben BVG und S-Bahn jeweils Busse als Ersatzverkehr vorgesehen. Die 65 S-Bahn-Ersatzbusse werden entlang der Ringbahn als Linie A zwischen Schönhauser Allee und  Neukölln tagsüber im 3-Minuten-Takt und zwischen Ostkreuz und Baumschulenweg als Linie B – im 5-Minuten-Takt unterwegs sein.

Aber die Busse müssen sich über zum Teil stark belastete Straßenabschnitte quälen ...

Jens Hebbe: Richtig. Nach unseren Erfahrungen wird ein Bus der Linie A etwa eine Stunde für die Strecke Schönhauser Allee – Neukölln brauchen. Deshalb heißt das Stichwort für alle, die den gesamten gesperrten Abschnitt überbrücken müssen: Umfahren, umfahren, umfahren!

Was heißt das – Umfahrung?

Jens Hebbe: Wer als Umfahrung den südlichen und nördlichen Ring nutzt, um beispielsweise von Baumschulenweg nach Schönhauser Allee zu kommen, ist so etwa 15 Minuten schneller am Ziel als mit dem Ersatzbus. Wir verknüpfen die Ringbahnlinien S 41 und S 42 mit den südöstlich und nordöstlich abzweigenden Linien S 45, S 46, S 47, S 8 und S 9 zu neuen, durchgehenden Linien.

Damit können unsere Fahrgäste den Ring ganztägig im 5-Minuten-Takt nutzen, der in den Hauptverkehrszeiten Montag bis Freitag zwischen Schöneweide und Westend mit zusätzlichen Fahrten der S 47 verdichtet wird. So entstehen zeitweilige Verbindungen, wie sie in der Tabelle m  Seite 8 dargestellt sind. Die Fahrgäste dürfen sich nur nicht wundern, wenn sie in die S 46 einsteigen, dann mit der S 41 fahren und die dann plötzlich S 9 heißt, weil sie nach Blankenburg weiterfährt.

Zusätzliche Leistungen hat die S-Bahn Berlin auf den BVG-Metro-Linien M1, M10 und M17 bestellt. Dass heißt z.B., dass die M10 Montag bis Samstag zwischen 5 und 22 Uhr alle 5 Minuten verkehrt. Die U2, U5, U6 und U8 fahren grundsätzlich mit langen Zügen.

Alle Informationen, die für das Weiterkommen notwendig sind, haben S-Bahn Berlin und BVG in einer Broschüre zusammengefasst.  Außerdem sind Harry Schotter und Max Maulwurf, die Maskottchen der beiden Bauherren, gesprächsbereit.


Max-Bahnbautreff am 22. und 28. März

22. März, 15 bis 19 Uhr, auf dem Ringbahnsteig im Bahnhof Ostkreuz
28. März, 15 bis 19 Uhr, auf dem Bahnsteig im S-Bahnhof Schönhauser Allee

Experten der verschiedenen DB-Bereiche und am 28. März auch Verteter der BVG beantworten Fragen rund um das Baugeschehen.


U2 zwischen Pankow und Stadtmitte ab 7. April gesperrt

Die Sperrung des nordöstlichen Teils der U-Bahn-Linie U2 beginnt am 7. April und betrifft zunächst den Streckenabschnitt
Pankow – Stadtmitte.

Ab 10. April (Betriebsbeginn) wird die bis 16. April (Betriebsende) vorgesehene Sperrung auf den Abschnitt Pankow – Rosa-Luxemburg-Platz begrenzt. Zur Umfahrung bietet sich auch hier das dichte innerstädtische S-, U- und Metrotram-Netz an.

Zu empfehlen sind insbesondere die U-Bahn-Linien U6 und U8 sowie die Verbindungen auf der Nord-Süd-S-Bahn zwischen Potsdamer Platz – Friedrichstraße – Gesundbrunnen und von dort weiter nach Pankow und Schönhauser Allee.

Ergänzend wird entlang des betroffenen Streckenabschnitts ein Schienenersatzverkehr mit barrierefreien Bussen eingerichtet. Die Bahnhöfe Hausvogteiplatz, Märkisches Museum und Klosterstraße können vom Ersatzverkehr nicht direkt angefahren werden. Es ist ein Fußweg von 300 bis 400 Metern erforderlich.

Details zu den Bauarbeiten an der U2 in der punkt 3-Ausgabe am 5. April