Bahnlektüre
Abschied auf Raten

Was bleibt von einer Ehe, wenn die gemeinsame Zeit plötzlich messbar wird? In „Die Schönheit der Distanz“ fährt ein namenloser Versicherungs­angestellter täglich zu seiner krebskranken Frau. Er pflegt sie und ringt mit Krankenhausritualen, Familienpflichten und einer regelvernarrten japanischen Gesellschaft. Die Autorin macht daraus keine sentimentale Krankheitsprosa, sondern eine kluge Liebes­geschichte über Nähe ohne Vereinnahmung. Der Mann liebt seine Frau, weiß aber selten, was in ihr vorgeht. Immer wieder blitzt so etwas wie Humor auf, der den Roman vor Rührseligkeit bewahrt. Und am Ende stellt sich die Frage, wer über die letzten gemeinsamen Stunden bestimmt: die eingespielten Regeln – oder die Menschen selbst? | lk

 

Nao-Cola Yamazaki, „Die Schönheit der Distanz“, Verlag: Dumont, 2026, 160 Seiten, 23 €