Bahnlektüre Düstere Hoffnung

Stig Dagermans Erzählband „Unser nächtlicher Badeort“ zeigt eindrücklich, warum der 1954 mit nur 31 Jahren verstorbene Autor seinen festen Platz in der schwedischen Literaturgeschichte hat. In klarer, von Paul Berf elegant ins Deutsche übertragener Prosa, erzählt er von Kindheitsängsten, Klassenschranken und beiläufiger Grausamkeit: Etwa von ausgehungerten Schuljungen und von wohlhabenden Skandinaviern, die in Kauf nehmen, dass beim Tauchspiel jemand ertrinkt. Das eigentlich Verstörende liegt weniger in den Figuren als in einer Welt, die ihre Schwächsten mühelos verschlingt. Es sind Texte, die lange nachhallen – dunkel, nüchtern und doch von einer eigentümlichen Hoffnung durchzogen. | lk
Stig Dagerman, „Unser nächtlicher Badeort“, Verlag: Guggolz, 263 Seiten, 25 €