Bahnlektüre Wie bestellt

Allgegenwärtig und doch übersehen: das Los der Essenslieferanten. Tomer Gardi, israelischer Wahlberliner, rückt sie in seinem Roman, der von Tel Aviv über Berlin, Delhi, Istanbul bis Buenos Aires reicht, in den verdienten Fokus. Wer zahlt den Preis für unsere Bequemlichkeit? Filmon, zum Beispiel: Aus Eritrea geflohen, radelt er in Tel Aviv ohne Papiere durch die Nacht – jede Schicht ein Risiko, jede Lieferung ein kleiner Schritt Richtung Frau und Tochter in Berlin. Um ihn herum spinnt Gardi weitere Schicksale: Fernliebe, Familienrisse, das zermürbende Leben im Provisorium. Eine präzise, unsentimentale Erzählung, gespickt mit rasantem Witz, die idealerweise anregt zur Reflexion – vor dem nächsten Klick auf „bestellen“. | lk
Tomer Gardi, „Liefern“, Verlag: Klett-Cotta, 2026, 320 Seiten, 25 €