Zu Besuch beim Großreinemachen am Bahnhof Gesundbrunnen: „Wir machen hier wieder alles schick“, sagt Jens Finger, Mitarbeiter beim Bahnhofsmanagement der DB InfraGO. Normalerweise arbeitet er im Büro. Am vergangenen Dienstag hat er Tastatur und Rechner gegen Schleifmaschine und Holzöl getauscht. Sorgfältig bewegt er das Gerät über die hellbraunen Lehnen der Wartebänke am Bahnhof Gesund­brunnen. „Die Farbe der vielen Graffiti, die das Bambusholz verschmutzen, ist schwer zu entfernen. Sie ist tief eingezogen“, sagt er. Jens Finger packt als Freiwilliger beim Großreinemachen der DB mit an. Die Aktion findet bis Ende Mai an 50 Ber­liner Stationen statt, zum Beispiel am Alexanderplatz, am Ostbahnhof, in Schöneberg, Wannsee oder am Zoologischen Garten. „In unseren Berliner Bahnhöfen begrüßen wir täglich Millionen Menschen. Saubere Stationen stehen ganz oben auf der Wunschliste unserer Reisenden und Besucher:innen. Deshalb haben wir unseren großen Frühjahrsputz gestartet“, sagt Monika Jung, die bei der DB InfraGO das Bahnhofsmanagement für die Berliner Fernbahnhöfe leitet.

Graffiti und Kaugummis entfernen

Mehrere Hundert DB-Mitarbeitende sind berlinweit an der Aktion beteiligt und sorgen für eine gründliche Extra-Reinigung pünktlich zum Beginn der Ausflugssaison. Von den Bahnsteigen über die Treppen bis hin zu den Automaten sowie den Glasscheiben von Aufzügen und Fenstern – alles wird blitzblank geputzt. Das geschieht zusätzlich zur regulären Reinigung: Am Gesundbrunnen fahren die DB-Mitarbeitenden beispielsweise einmal täglich mit Kehrmaschinen über die Böden. Dreimal in der Woche wird zudem nass gereinigt.

Kaugummis bleiben dabei allerdings oft kleben. „Je älter sie sind, desto schwerer lassen sie sich entfernen. Auch die Temperatur muss bei der Reinigung stimmen. Im Winter ist es dafür zu kalt“, sagt Ricardo Dorian Metze, ebenfalls freiwilliger Helfer des DB-Bahnhofsmanagements, der mit einem Spachtel eine Fußgängerbrücke am Gesundbrunnen von der klebrigen Masse befreit. Er wünscht sich, dass alle Besucher:innen und Reisenden mitmachen und dazu beitragen, die Bahnhöfe sauber zu halten: „Überall sind Mülleimer aufgestellt – das ist ganz einfach!“

Schrotträder entsorgen

Beim großen Frühjahrsputz werden auch die zahlreichen Fahrradstell­plätze an den Bahnhöfen überprüft. Bei manchen alten Drahteseln fehlen die Reifen, der Lenker ist verrostet oder der Sattel ist bereits mit Moos bedeckt. Die verwaisten Schrotträder erhalten einen Zettel: „Niemand da, der mich abholt?“ wird darauf freundlich gefragt. „Die Besitzer:innen werden mit dieser Nachricht gebeten, ihr Rad innerhalb von zwei Wochen abzuholen. Ist die Frist verstrichen, prüft die Polizei, ob das Fahrzeug gestohlen wurde“, erklärt Alexandra Hensel, Sprecherin der landeseigenen GB infraVelo GmbH, die 9.000 Fahr­radabstellanlagen an knapp 80 Bahnhöfen in Berlin verwaltet und betreut.

Können die Besitzer:innen nicht ausfindig gemacht werden, holt das gemeinnützige Kreuzberger Unternehmen agens, das Langzeitarbeits­lose und Menschen mit Behinderung beschäftigt, die Schrotträder ab. Hensel: „Dort werden die Räder repariert und verkauft oder Einzel­teile wiederverwendet. Mit dem Erlös wird die Fahrradwerkstatt des Sozialbetriebs finanziert.“ In anderen Fällen kümmern sich die DB oder die BVG – je nach Zuständigkeit – um die Entsorgung der Schrotträder. Wie die Schlösser herrenloser Fahr­­räder innerhalb weniger Minuten mit sprühenden Funken aufgeflext und anschließend der Berliner Stadt­reinigung (BSR) übergeben werden, demonstrierten Mitarbeitende des Ordnungsamts bei der Putz­aktion am Gesundbrunnen. So entstehen wieder mehr Abstell­möglichkeiten für Fahrgäste, die mit dem Rad zum Bahnhof fahren.

Es blitzt und blinkt

Nach der Reinigungsaktion am Gesundbrunnen blitzt und blinkt es an vielen Ecken des Bahnhofs. Auch die Holzbänke, die Jens Finger und seine Kolleg:innen in mehreren Durchgängen abgeschliffen und geölt haben, sehen wieder fast wie neu aus. Bundesweit findet der Frühjahrsputz in diesem Jahr an insgesamt 1.400 Bahnhöfen statt. Die Deutsche Bahn investiert 2026 zusätzlich über 50 Millionen Euro, damit sich Reisende an den Bahnhöfen wohler und sicherer fühlen.

Kristin Lübcke

Alkohol verboten!

Für mehr Sicherheit und Sauberkeit: Seit dem 1. Mai 2026 wird in einem Modellprojekt der DB ein Alkohol-Konsum-Verbot im Bahnhof Zoologischer Garten und im Ostbahnhof getestet – zu erkennen an den entsprechenden Informationen an den Stationen. Alkoholhaltige Getränke dürfen weder im Bahnhof noch auf den Vorplätzen konsumiert oder offen mitgeführt werden. Das Verbot gilt nicht innerhalb von Gastronomie und Shops, die Alkohol gewerblich ausschenken. Nach der Testphase entscheidet die DB über das weitere Vorgehen.

Foto: André Groth

Mehrere Hundert Mitarbeitende der DB und Freiwillige helfen beim Frühjahrsputz. Foto: André Groth

Wischen, schleifen und wienern in allen Winkeln des Bahnhofs. Foto: André Groth

Die Böden werden auch von Kaugummis befreit. Foto: André Groth

Vergessene Drahtesel: Beim Frühjahrsputz entsorgen Mitarbeitende des Ordnungsamts Schrottfahrräder. Fotos: André Groth

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