Stendal hält so manche Überraschung parat: Die Stadt ist zwar die größte der Altmark, doch dank Wallanlagen und dem Fluss Uchte auch schön grün. Im alten Stadtzentrum trotzen ehrwürdige Bauten der norddeutschen Backsteingotik dem Zahn der Zeit. Mit Höhepunkten wie dem begehbaren trojanischen Pferd und einem Tierpark ist der Ausflug auch bestens für Familien geeignet.
Die Bahnhofstraße führt linker Hand zur Beckstraße, der man in nördlicher Richtung folgt. Nach dem Überqueren der Uchte passiert man die Wallanlagen. Diese einstige Stadtbefestigung umschließt bis heute fast vollständig den Ort. Zwei der vier Haupttore stehen noch immer: das Uenglinger Tor im Norden und das Tangermünder Tor hier im Süden – die Hospitalstraße führt dort hin. Nur wenige Schritte sind es vom Tor zum einstigen Katharinenkloster, wo das Altmärkische Museum über Stendals Aufstieg und Blüte im Mittelalter informiert (museum.stendal.de).
Um zum Dom St. Nikolaus zu gelangen, läuft man die Hospitalstraße zurück und passiert nach wenigen Metern mit dem Pulverturm den letzten erhaltenen Wehrturm der Stadt. Der Dom gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der norddeutschen Backsteingotik, im März und April ist er samstags und sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet (mehr zum Besuch von Dom und Marienkirche auf stadtgemeinde-stendal.de). Seine größten Schätze sind die 22 Buntglasfenster und das eichene Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert.

Katharinenkirche und Altmärkisches Kloster, Foto: Altmärkisches Museum
Die Straße Am Dom führt zur Hallstraße, auf der es direkt zum Markt geht. Das Rathaus beherbergt die älteste profane Schnitzwand Deutschlands von 1462. Hier ist auch die Tourist-Information zu finden. Über den Marktplatz wacht der große steinerne Roland, eine Kopie des Originals von 1525, Stendal war damals Umschlagplatz zwischen Binnenland und Seehandel. Zur Hansezeit häuften die Kaufleute der Stadt Reichtümer an, mit denen Prächtiges gebaut wurde, das man heute noch bewundern kann.
Gleich hinter dem Rathaus erheben sich majestätisch die Türme der Marienkirche. Bemerkenswert sind ihr Flügelaltar, die reich geschmückte Kanzel und die hanseatische astronomische Uhr unterhalb der Orgelempore. An die Pfarrkirche schließt sich die Breite Straße an. Hier präsentieren sich restaurierte Häuser mit schmuckreichen Fassaden aus der Gründerzeit und Elementen des Jugendstils.
Wer von der Breiten Straße links in die Rohrstraße einbiegt, gelangt zur Winckelmannstraße mit dem gleichnamigen Museum. Es ist dem berühmtesten Sohn der Stadt gewidmet, der hier 1717 zur Welt kam und als Begründer der klassischen Archäologie und Kunstgeschichte gilt: Johann Joachim Winckelman. Die ständige Ausstellung zeigt den beeindruckenden Werdegang des Schuhmachersohns aus der preußischen Provinz.

Dom St. Nikolaus Stendal, Foto: Stadtgemeinde Stendal
Im Kindermuseum tauchen jüngere Besucher:innen in die spannende Welt der Antike ein, können sich als Römer:in oder Grieche:in verkleiden, im Theater vom Untergang Pompejis erfahren, auf antiken Instrumenten spielen oder einen römischen Hafen mit Marktständen erkunden. Im Garten eröffnet das größte begehbare Trojanische Pferd der Welt einen herrlichen Blick über die Stadt. In die 15 Meter hohe, 13 Meter lange und fünf Meter breite Stahlkonstruktion, die mit Lärchenholz verkleidet ist, passen bis zu 30 Besucher:innen – wie in der griechischen Sage beschrieben. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. winckelmann-gesellschaft.com

Familienmuseum, Foto: Archiv Winckelmann-Museum
Jetzt geht’s ins Grüne! Folgt man der Winckelmannstraße Richtung Norden hinauf zur Straße Altes Dorf sieht man schon das Uenglinger Tor, das man von Mai bis September besteigen kann. Wer nun in südlicher Richtung auf dem Westwall zur Straße Uchtewall wandert, gelangt darauf direkt zum Eingang des Tiergartens, er ist täglich geöffnet serviceportal.stendal.de/de/tiergarten.html. Der Stendaler Zoo mit Abenteuerspielplatz und Gaststätte liegt wunderschön am Stadtsee.
Wer mag, kann den Stadtsee mit seinen Villen und Kleingärten in Ufernähe umrunden, der kürzeste Weg zum Bahnhof aber führt über die Seestraße und die Goethestraße zurück.

Zwergziegen, Foto: Hansestadt Stendal / Tiergarten
Anreise
Hinfahrt: z. B. mit dem RE4 ab Berlin Hbf um 7.54 Uhr
Fahrzeit: 1 Stunde 36 Minuten
Rückfahrt: z. B. mit dem RE4 um 16.30 Uhr oder 18.32 Uhr
Ticket-Tipp
Das Quer-durchs-Land-Ticket gilt Mo – Fr von 9 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages (samstags, sonntags und an gesetzlichen Feiertagen von 0 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages) für beliebig viele Fahrten im Regionalverkehr – und zwar deutschlandweit. Es kostet für eine Person 51 Euro, bis zu drei Kinder (6 – 14 Jahre) fahren kostenlos mit. Bis zu vier Erwachsene können vergünstigt mitreisen. bahn.de/quer-durchs-land. Wer das Deutschland-Ticket nutzt, kommt auch damit bis nach Stendal. bahn.de/brandenburg | vbb.de
Tipp für den Ausflug
Vorhang auf! Ein Leben fürs Theater – Helmut Günther Kunst, Kultur und Literatur
Noch bis 17. Mai
Helmuth Günther war von 1991 bis 2002 am Theater der Altmark als Bühnen- und Kostümbildner tätig. Das Altmärkische Museum präsentiert aus seinem Nachlass Kostümentwürfe, Plakatentwürfe und viele einzigartige, zauberhafte Bühnen-Modelle.Altmärkisches Museum
Schadewachten 48
39576 Hansestadt Stendal
Eintritt: 2 €, ermäßigt 1 €
museum@stendal.de
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