Nach dem brutalen und tödlichen Angriff auf den DB-Mitarbeiter Serkan Çalar in einem Regionalzug, hatte die DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla am 13. Februar zu einem Sicherheitsgipfel eingeladen. In diesem Rahmen haben sich Spitzenvertreter:in­nen von Bund, Ländern, Arbeitnehmervertreter:in­nen und der Verkehrsbranche für einen gemeinsamen „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ ausgesprochen.

Maßnahmen in verschiedenen Bereichen sollen die Sicherheit von Fahrgästen und Mitarbeitenden erhöhen. Letztere erleben genau wie die Beschäftigten von Polizeien, Feuerwehren und Rettungsdiensten immer häufiger Aggressivität in ihrem Arbeitsalltag: 2025 gab es mehr als 3.000 körperliche Über­griffe auf DB-Mitarbeitende. Das bedeutet einen Anstieg von 37 Prozent in zehn Jahren. Mit der gemeinsamen Anstrengung verschieben die Be­teiligten den Schwerpunkt von der Reaktion auf noch mehr Prävention und schnellere Hilfeleistung.

 


Foto: DB AG / Oliver Lang

 

Die DB selbst wird kurzfristig folgende Maßnahmen umsetzen:

  • Bodycams für alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nahverkehr, Fernverkehr und an den Bahnhöfen (Nutzung freiwillig)
  • 200 zusätzliche Kräfte der DB Sicherheit auf Bahnhöfen
  • bessere persönliche Schutzausrüstung für DB-Mitarbeitende und noch mehr Verhaltens- und Deeskalationstrainings
  • Für schnellere Hilfe im Ernstfall wird der Hilferufknopf („Prio-Ruf“) weiter­entwickelt.
  • Anpassung der Sicherheitskonzepte vor Ort gemeinsam mit der Bundespolizei
  • Bei DB Regio gilt bei der Ticketkontrolle das Prinzip Eigensicherung vor Prüfung. Ab 1. März 2026 liegt es im Ermessen des Kontrollpersonals, ob ein Fahrgast bei der Ticketkontrolle einen Ausweis vorzeigen muss.

Die Bundespolizei setzt ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Gewalt­kriminalität auf dem Gebiet der Bahnanlagen des Bundes uneingeschränkt fort. Die bewährte 25-jährige Ordnungspartnerschaft zwischen DB und Bundespolizei wird weiterentwickelt.

 

Möglichkeiten zu mehr Video­überwachung und mehr Personal

Der gemeinsame „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ wird durch weitere Handlungs- und Prüffelder ergänzt. Darunter der Ausbau der Videoüberwachung und die KI-gestützte Auswertung von Aufzeichnungen zur Früherkennung. Auf ihrer Konferenz im März werden sich die Verkehrsminister:innen mit der Personalbesetzung der Nahverkehrszüge befassen. Außerdem soll das Deutschlandticket noch fälschungs­sicherer werden, damit auf Ausweiskontrollen verzichtet werden kann, um kritische Situationen zu verringern. Um die auf dem Sicherheitsgipfel identifizierten Maßnahmen auf den Weg zu bringen, werden Bund, Länder, DB und Verkehrsbranche bis Ende April 2026 konkrete Schritte zur Umsetzung vereinbaren.

 


Foto: DB AG / Oliver Lang

 

Mit DB Regio Nordost und S-Bahn unterwegs, aber sicher!

Wer eine Straftat beobachtet oder eine unmittelbare Gefahren­situation erlebt, sollte

  • … auf die eigene Sicherheit achten,
  • … die Polizei (110) rufen,
  • … andere Fahrgäste um Mithilfe bitten.

Wichtig zu wissen: Bei Vorfällen mit strafrechtlicher Relevanz (z. B. Körperverletzung, Androhung von Gewalt oder Belästigung) ist absolute Eile geboten, um mögliche Beweise zu sichern.
Inzwischen sind viele Regional- und die meisten S-Bahnzüge mit Videoüber­wachung ausgestattet. Aber nur die Polizei darf auf Videoaufnahmen aus Zügen zugreifen und das Material wird nur 48 Stunden lang gespeichert. Deshalb ist es entscheidend, möglichst schnell Anzeige bei der Polizei zu erstatten, das geht auf jedem Polizeirevier und auch online: portal.onlinewache.polizei.de. Hilfreich ist, dafür Datum, Uhrzeit und Ort des Vorfalls zu notieren, idealerweise auch die Linie und Wagennummer des Zuges.

 

Bundespolizei = Bahnpolizei
Für die Sicherheit der Reisenden sind DB Sicherheit und Bundespolizei rund um die Uhr im Einsatz. Bei sicherheitsrele­vanten Vorfällen sollten Reisende immer die Polizei kontaktieren, die kostenlose Service-Nummer der Bundespolizei lautet: 0800 6 888 000

 

Handlungsempfehlungen und Hilfsmittel für Fahrgäste

… bei DB Regio Nordost

  • Die Sprechstellen im Fahrgastraum und in den Toiletten stellen einen Kontakt zum Triebfahrzeugführer oder zur Triebfahrzeugführerin her, der oder die dann reagieren und Hilfe anfordern kann.
  • In jedem Zug ist ein:e KIN (Kundenbetreuer:in im Nahverkehr) eingesetzt, diese:n sollte man auf die Situation aufmerksam machen und sich weiter abstimmen.
  • In jedem Wagen sind Aufkleber mit Kontaktdaten der Bundespolizei angebracht.
  • Auf den richtigen Umgang mit brenzligen Situationen kann man sich vorbereiten. So gibt es etwa Präventionskurse für Schulklassen (deutschebahn.com/praevention) und DB Regio Nordost hat gemeinsam mit dem Forumtheater das Projekt Theater in Zivil ins Leben gerufen, bei dem in Rollenspielen Zivilcourage eingeübt wird.

 

… bei der S-Bahn Berlin

  • S-Bahnzüge sind mit Sprech­stellen ausgestattet. Über diesen Fahrgasthilferuf (meistens direkt neben den Türen platziert) können Fahrgäste bei Notfällen Kontakt zur Sicherheitszentrale aufnehmen. Diese leitet die entsprechenden Maßnahmen ein.
  • Wer lieber nicht sprechen möchte, kann texten: Via WhatsApp deckt der Chatbot Emil neben Kund:in­nenservice auch die Bereiche Sicherheit und Ordnung ab. Einfach „Hallo!“ an die +49 (0)30 297 12971 senden und „Sicherheit“ auswählen, um mit der Sicherheitsleitstelle in Kontakt zu treten. Am besten gleich im Handy einspeichern.

 


Foto: DB AG / Oliver Lang

 

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