Bei einem Workshop der S-Bahn Berlin erhielten die Mitglieder des Kundenbeirats praktische Tipps für den Umgang mit Notsituationen. Fast jeder hat es schon erlebt, der regelmäßig mit der S-Bahn Berlin unterwegs ist: Ein Fahrgast in Eile springt schnell in den Zug, obwohl das Warnsignal bereits ertönt und die Lampe über der Tür rot leuchtet. „Das kommt immer wieder vor, kann jedoch gefährlich sein. Zum Beispiel, wenn sich jemand den Arm einklemmt, während er in das Fahrzeug einsteigen will“, erklärt Ines Teike, Mitarbeiterin Security Management bei der S-Bahn Berlin. „Deshalb sollte man unbedingt den Warnton beachten und auf den nächsten Zug warten, der in ein paar Minuten kommt.“
Auch anderen Fahrgästen die schließende Tür aufzuhalten, kann riskant sein und obendrein Verspätungen und technische Störungen verursachen. Viele Fahrgäste fragen sich jedoch: Was ist in Notsituationen zu tun? Wie Fahrgäste im Notfall Hilfe erhalten, erfuhren die Mitglieder des Kundenbeirats der S-Bahn Berlin am 16. April bei einer Veranstaltung im Werk Schöneweide. Sie hatten die Gelegenheit, an einem dreistündigen Workshop in einem Wagen der Baureihe 481 teilzunehmen und die Nothilfeeinrichtungen zu testen. Im Fokus standen dabei Fragen wie: Was ist eigentlich genau ein Notfall in der S-Bahn? Wo finde ich den Feuerlöscher? Und wie setze ich einen Hilferuf ab?
Notbremse nur im Notfall
Wichtig ist vor allem: Die Notbremse darf nur gezogen werden, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht – etwa, wenn eine Person eingeklemmt ist oder es brennt. „Kein Notfall liegt vor, wenn ich eine Station verpasst oder meinen Koffer auf dem Bahnsteig vergessen habe“, erklärt Mathias Groß, Triebfahrzeugführer und Mitarbeiter im Notfallmanagement bei der S-Bahn Berlin. Und Achtung: Jeder Missbrauch ist strafbar, kostet 200 Euro und wird strafrechtlich zur Anzeige gebracht, was eine weitere Geld- oder sogar Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr nach sich zieht. Wer an dem kleinen roten Hebel gezogen hat, wird sofort per Sprechstelle mit der:m Lokführer:in verbunden. Nachdem alle nötigen Infos übertragen sind, entscheidet diese:r, ob sofort angehalten werden muss oder bis zum nächsten Bahnsteig weiter gefahren werden kann. Kommt es zu einem Notfall im Zug, kann es sinnvoll sein, weiterzufahren, damit Rettungskräfte den Zug besser erreichen können. Auch wenn eine Person ohnmächtig ist, kann eventuell im nächsten Bahnhof schneller geholfen werden als unterwegs.
„Um die Fahrgäste sicher auf freier Strecke evakuieren zu können, muss der Zugverkehr eingestellt, die Fahrspannung abgeschaltet und die Stromschiene kurzgeschlossen werden“, erklärt Notfallmanager Groß. „Man kann nicht so einfach aussteigen wie aus einem Auto.“ Auf freier Strecke eigenmächtig die Notentriegelung der Türen zu nutzen und das Fahrzeug zu verlassen ist lebensgefährlich. Schließlich stehen die Gleise bei der S-Bahn unter einer Spannung von bis zu 1.000 Volt.
Während der Veranstaltung standen zudem weitere Fragen rund um das Thema Sicherheit im Mittelpunkt. „Was kann ich tun, wenn mich jemand belästigt oder es eine Schlägerei gibt?“, wollte eine Teilnehmerin wissen. Die Antwort der Expert:innen der S-Bahn: Hierfür kann die Sprechstelle genutzt werden. Die Fahrgäste werden mit der Sicherheitsleitstelle verbunden, die rund um die Uhr im Ernstfall sofort Hilfe organisiert.
Alternativ können Fahrgäste auch per WhatsApp (Tel. 030 29712971) Unterstützung bei der S-Bahn anfordern oder bei unmittelbarer Gefahr direkt den Polizei-Notruf 110 wählen. „Rufen Sie in kritischen Situationen laut ‚Lassen Sie mich in Ruhe!‘ und fordern Sie andere Fahrgäste direkt auf, Ihnen zu helfen“, riet Nils Weise von der Bundespolizei, der mit seiner Kollegin Paulina Czirson-Hamann ebenfalls bei der Veranstaltung der S-Bahn vertreten war und mit kleinen Rollenspielen aufzeigte, wie man sich im Ernstfall verhalten sollte. Zivilcourage sei gefragt, wenn jemand in Bedrängnis gerät. Weise: „Dabei gilt immer: Wir kümmern uns um das Opfer und sprechen niemals mit dem Täter!“ Wichtig: Wer eine Straftat in der S-Bahn anzeigen möchte, sollte dies möglichst schnell bei der Polizei tun. Dies ist bei jeder Polizeidienst-stelle möglich, sowohl bei der Bundes- als auch bei der Landespolizei. Die meisten S-Bahnen sind mit einer Videoüberwachung ausgestattet; die Aufnahmen werden jedoch nach 48 Stunden automatisch gelöscht.
Feedback erwünscht
Zum Schluss der Veranstaltung hatten die Teilnehmer:innen des Kundenbeirats die Gelegenheit, schriftlich ihr Feedback zum Workshop abzugeben. „Die Rückmeldungen sind für uns sehr wertvoll“, sagt Teike. „Wir prüfen im Nachgang, wie das neue Format ankommt. Ist der Eindruck positiv, wollen wir künftig auch anderen Fahrgästen ermöglichen, die Veranstaltung zu besuchen.“
Erste Stimmen vor Ort waren positiv. „Ich finde es sehr gut, in der Praxis zu lernen, wie ich die Notfalleinrichtungen in der Bahn nutzen kann, und würde den Workshop weiterempfehlen“, sagte Julius, Mitglied im Kundenbeirat. Harald Voß, Sprecher des Kundenbeirats, bezeichnete das Format als einen wichtigen Baustein, um Fahrgäste über Sicherheitsthemen bei der S-Bahn zu informieren. | Kristin Lübcke
Schon gewusst?
Rund 600 Sicherheitskräfte der DB Sicherheit sind im S-Bahn-Netz unterwegs. Weitere Infos zu sicherheitsrelevanten Themen: sbahn.berlin/sicherheit


