Auf diesem Stadtrundgang entdecken Besucher:innen eine der ältesten Städte Brandenburgs: Jüterbog. Die Stadt im Fläming besitzt eindrucks­volle Baudenkmäler der norddeutschen Backstein­gotik wie Kirchen, Klöster, Stadttore und das älteste Rathaus im Land Brandenburg. Seit dem Mittelalter entwickelte sich Jüterbog zu einer bedeutenden Handelsstadt. Und nicht zuletzt  war Jüterbog die „Stadt des Anstoßes“ für die Refor­mation. Dominikanermönch und Ablassprediger Johann Tetzel betrieb in Jüterbog das lukrative Geschäft mit dem Sünden­freikauf. Der legendäre Tetzelkasten steht in der Nikolai­kirche. Reformations­geschichte und Mittel­alterflair: Wer Kultur liebt, ist in Jüterbog also genau richtig.

Am Bahnhof befindet sich ein Wegweiser mit der Aufschrift „Spitzbubenweg“. Er führt durch den Schlosspark zur Schloßstraße. Ihm folgend gelangt man nach einem rund 20-minütigen Spaziergang durch das Dammtor in die historische Altstadt mit der Liebfrauenkirche des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters (kirche-jueterbog.de/kirchen/liebfrauenkirche). Die Kirche wurde 1161 im Auftrag vom Magdeburger Erzbischof Wichmann von Seeburg errichtet und 1174 am Tag der Verleihung des Stadtrechtes an Jüterbog geweiht. Sie ist die zweit­älteste erhaltene Kirche im Land Brandenburg. Das Backsteingebäude wurde im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut, aus diesem Grund sind mehrere Baustile zu erkennen.

Von der Lieb­frauenkirche ist es nur ein kurzer Weg zum Kulturquartier Mönchen­kloster. Die über 500 Jahre alte Franziskanerkirche mit ihrer wechselnden Geschichte vom Kloster zum kulturellen Zentrum ist ein Paradebeispiel für die sinnvolle Nutzung historischer Gebäude. Das Areal beherbergt heute die Stadt­bibliothek, das kulturhistorische Archiv, die Bühne, das Museum und das Standesamt der Stadt. Auf dem Klosterhof kann in den wärmeren Monaten entspannt verweilt werden. Verschiedene Sitzgelegenheiten laden zum Ruhen ein und auch Konzerte finden hier statt. Nebendran befindet sich der gut sortierte Klostergarten, wo viele Kräuter und Heilpflanzen einen Platz gefunden haben, die für die eigene Küche genutzt werden können. Kinder können sich auf einem Wassermatschplatz und anderen Spielgeräten austoben.

Anschließend geht es am Marktplatz vorbei. Wenn nicht gerade Wochenmarkt für Produkte aus der Region ist (Di + Do 8 – 16 Uhr), hat man freie Sicht auf das Rathaus in feinster Backsteingotik. Es diente in den Jahren nach der Reformation als repräsentativer Ort für diplomatische Zusammenkünfte. Zehn solcher europaweiten „Fürstentreffen“ sind in die Geschichte eingegangen.

Der Stadtrundgang führt nun weiter zum Abtshof. In diesem repräsentativen Wohngebäude aus dem 15. Jahr­hundert befand sich der Stadtsitz des Abtes des Klosters Zinna, das einige Kilometer vor den Toren der Stadt liegt. Anschließend gelangt man zu jener Kirche, die mit ihren zwei unterschiedlichen Turmspitzen schon von Weitem die Silhouette der Stadt bestimmt: die Nikolaikirche (kirche-jueterbog.de/kirchen/nikolaikirche). Sie wurde zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert errichtet und 1307 erstmals erwähnt. Die Arbeiten an den Türmen – welche heute noch bestiegen werden können – fanden erst nach 1500 ihren Abschluss. Außerdem findet sich in der Kirche neben dem Tetzelkasten in der sehenswerten Taufkapelle auch ein alter gotischer Flügelaltar und eine majestätische Orgel. Nach Erklimmen der 217 Stufen werden Besucher:innen mit einer grandiosen Aussicht aus 46 Metern Höhe auf Jüterbog und den Niederen Fläming belohnt.


Blick auf die Liebfrauenkirche, Foto: Heike Schulze


Klosterhof im Kulturquartier Mönchenkloster, Foto: Stadt Jüterbog / Marlen Seidel

Unweit der Nikolaikirche befindet sich die St.-Hedwigs-Kirche mit der Tetzelkapelle. Wo heute die Kirche steht, befand sich ein spätgotisches Wohnhaus, in dem der Ablassprediger Johann Tetzel während seines Aufenthaltes in Jüterbog 1517 wohnte. 1893 wurde an dieser Stelle die neugotische katholische St.-Hedwigs-Kirche errichtet.

Über die Große Straße, die zur Pferdestraße wird, erreicht man anschließend den Heilig-Geist-Platz mit der Luther­eiche. In der Tat wurde der Baum zu Ehren von Martin Luthers 400. Geburtstag gepflanzt und schmückt heute den erinnerungswürdigen Platz. Dieser erinnert an den einstigen Standort des ehe­maligen Heilig-Geist-Hospitals in der mittel­alterlichen Fläming-Hauptstadt Jüterbog.

Der Altstadtrundgang ist nun beendet. Sicher wäre jetzt eine letzte kleine Verschnaufpause angebracht, bevor es zurück zum Bahnhof geht. Direkt am Heilig-Geist-Platz lädt das urgemütliche Café & Restaurant Tetzelstuben mit seinem Biergarten zum genussvollen Verweilen ein (tetzelstuben.de). Bitte beachten: Montag ist Ruhetag.


Kapelle in der Nikolaikirche, Foto: Heike Schulze

Zurück zum Bahnhof geht es über die Schloß­straße, in die man hinter dem Dammtor nach rechts einbiegt. Ein Stück durch den Schloss­park und weiter auf dem Spitzbubenweg, den man bereits vom Hinweg kennt.

 

Anreise

Hinfahrt: z. B. mit dem RE4 um 9.09 Uhr ab Berlin Hbf bis Bf Jüterbog
Fahrzeit: 47 Minuten
Rückfahrt: z. B. um 17.02 Uhr

 

Ticket-Tipp

Der Einzelfahrausweis von Berlin nach Jüterbog kostet pro Strecke 11 Euro. Ab zwei Reisenden lohnt sich das Brandenburg-Berlin-Ticket. Es gilt Mo–Fr von 9 Uhr bis 3 Uhr des Folge­tages sowie Sa+So und an Feiertagen von 0 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages. Es kostet 36,50 Euro und kann von Gruppen bis zu fünf Personen genutzt werden. Darüber hinaus können bis zu drei Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren kostenlos mitgenommen werden. Wer das Deutschland-Ticket nutzt, kommt auch damit bis nach Jüterbog. bahn.de/brandenburg | vbb.de

 

Tipp für den Ausflug

Schach in der Stadtbibliothek
Jeden Dienstag erwartet Interessierte ein Tag voller kluger Züge, spannender Partien und freundschaftlicher Konkurrenz. Jede:r ist bei den spannenden Matches in besonderer Atmosphäre willkommen. Gespielt wird von 14 bis 17 Uhr.
stadtbibliothek.jueterbog.de
Stadtbibliothek im Kulturquartier
Mönchenkloster
Mönchenkirchplatz 4, 14913 Jüterbog

 

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