Er ist der Retter in der Not: Die S-Bahn Berlin hat seit Ende März einen neuen Hilfsgerätezug, kurz auch Hilfszug genannt. Dieser kann nun bei Entgleisungen oder Unfällen im S-Bahnnetz wirkungsvoll ein­gesetzt werden, um die Fahrzeuge zu bergen und die Strecke schnellst­möglich wieder für den Verkehr freizubekommen. „Wir wollen, dass im S-Bahnnetz alles reibungslos läuft und die Fahrgäste pünktlich an ihr Ziel kommen“, erklärt Felix Degenkolbe, Leiter des Werks Wannsee. „Und deshalb freuen wir uns sehr, dass der neue Hilfszug da ist.“ Der „Neue“ wurde am 25. März von Lichtenberg ins S-Bahnwerk Wannsee überführt: Er löst den in die Jahre gekommenen bisherigen Hilfsgerätezug ab, der seit 1994 im Einsatz war und derzeit noch in der Werkhalle in Wannsee steht. „Der alte Hilfsgerätezug hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel“, erklärt Bernd Fischer, Steuerungsmeister im Werk Wannsee. „Allein der Wagenkasten ist an die 100 Jahre alt – und es wird immer schwieriger, Ersatzteile zu bekommen. Zudem erlischt am 31. Mai die Betriebserlaubnis, und dann können wir ihn nicht mehr einsetzen.“


Der neue Hilfsgerätezug von außen und innen. Bernd Fischer ist begeistert: Jegliche Materialien und Hilfsgeräte sind perfekt verstaut. Fotos (4): Christiane Flechtner

 

Und so wird nun der „Neue“ die Arbeit übernehmen: Wenn es einen Unfall gibt oder eine S-Bahn entgleist, wird er künftig zur Stelle sein. „Es handelt sich dabei um einen Spezialzug, von denen lediglich zwei gebaut wurden – einer für die Hamburger S-Bahn und einer für die S-Bahn Berlin“, erklärt Fischer. „Schließlich muss er einem kleineren Lichtraumprofil entsprechen, um auch den Nordsüd-Tunnel befahren zu können. Der Zug ist also eine Spezialanfertigung aufgrund der Tunnelmaße. Gezogen von Loks der Baureihe 1005, kann er im Notfall überall im S-Bahnnetz eingesetzt werden.

Und auch wenn es selten vorkommt – es gibt Unfälle: So entgleiste 2012 eine S-Bahn der Linie S25 kurz hinter dem Bahnhof Tegel auf ihrem Weg nach Hennigsdorf – die mittleren Wagen des Zuges sprangen an einer Weiche aus den Schienen. Knapp drei Jahre später, im Juni 2015, entgleiste ein Zug der S-Bahnlinie S5 auf dem Weg in Richtung Spandau kurz vor dem S-Bahnhof Hoppegarten. Vier Wagen des Zuges sprangen aus den Gleisen. Zwei Beispiele für Unfälle, bei denen ein Hilfsgerätezug zum Einsatz kam.

Bernd Fischer (oben) und Felix Degenkolbe freuen sich, dass der neue Hilfszug eingetroffen ist. Im Notfall kann er sofort eingesetzt werden.

 

Bernd Fischer schließt die Tür des Zuges auf und zeigt auf die zahlreichen Schränke, Regale und Schiebetüren: „Hinter jeder Tür und in jedem Schubfach verbirgt sich Material und Werkzeug, das im Fall einer S-Bahn-Havarie vonnöten ist.“ Ob Schraubenschlüssel oder Holzblöcke, eine Leiter oder Spezialgerät – alles ist im Fahrzeug verstaut. Doch es gibt auch Hydraulikheber, mit denen der Zug wieder auf die Schiene gehoben werden kann, und Rollböcke die unter jede Baureihe der S-Bahn passen und ermöglichen, dass das Fahrzeug selbst bei festgefahrener Bremse abtransportiert werden kann. „Wir sind also gut gewappnet, falls etwas passiert, hoffen allerdings, dass er möglichst gar nicht zum Einsatz kommt“, sagt Werkleiter Degenkolbe abschließend. | Christiane Flechtner

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