„Bitte einsteigen!“ Das ließen sich die Besucherinnen und Besucher nicht zwei Mal sagen. Eine Fahrt mit dem legendären Stadt­bahner – Baujahr 1928 – war der Publikumsmagnet am Tag der offenen Tore am vergangenen Wochenende in Erkner. Nach fünf Jahren Pause hatten Interessierte erstmals wieder die Gelegenheit, einen Blick in das S-Bahn-Werk zu werfen. Gemeinsam mit der S-Bahn Berlin präsentierte der Verein Historische S-Bahn alte und neue Züge. Der zweiteilige Stadtbahner im Werk Erkner ist einer der bekanntesten deutschen Nahverkehrszüge.

Zur 750-Jahrfeier Berlins 1987 wurde er liebevoll restauriert und in den Originalzustand der Goldenen Zwan­ziger versetzt. 2016 war er Kulisse für die Serie Babylon Berlin. „Bei der Restaurierung war es zum Beispiel schwierig, die Gepäcknetze so wie früher zu knüpfen. Schließlich hat man in Rostock Fischerei­betriebe gefunden, die dieses Handwerk noch beherrschten“, erklärte Robin Gottschlag, Vorsitzender des Vereins Historische S-Bahn. Auch Gardinen hängen an Fenstern der Wagen. „Die wurden später abgeschafft, denn Vandalismus gab es schon damals: Nicht immer hatten die Leute ein Taschentuch dabei …“


Ein Blick in die Werkshalle lohnte sich: An vielen unterschiedlichen Stationen gab es Spannendes zu entdecken. Foto: Kristin Lübcke

 

Moderne Technik in alten Zügen

Stolz ist der Vorsitzende darauf, in der Halle des Werks einen weiteren Stadtbahner zu präsentieren, in den moderne Zugsicherungstechnik (ZBS) eingebaut wurde. Im Triebwagen verbirgt sich in einem grauen Metallkasten jetzt ein Bord-Computer. Eine neue digitale Anzeige ist im Führerstand neben der alten AEG-Steuerung aus Holz und Metall zu sehen. Die Sicherungstechnik überwacht zum Beispiel, ob der Zug die erlaubte Geschwindigkeit einhält und stoppt ihn im Notfall.

Kleine und große S-Bahn-Fans bestaunten auch die Baureihe ET 167: Vor zwanzig Jahren genossen Queen Elisabeth II und Prinz Philipp den Ausblick aus den riesigen Fenstern dieser Panoramabahn. „Das Fahrzeug kann aus technischen Gründen leider nicht mehr eingesetzt werden“, so Gottschlag. Beliebt war neben den S-Bahnen auch der Tischsimulator der BR 480: „Das macht echt Spaß selbst aus­zuprobieren, wie sich eine Bahn steuern lässt!“, meint der 14-jährige Henric. Am Stand des Beirats für Kund:innen konnten die Gäste ihre Meinung zur Attraktivität des S-Bahnverkehrs kundtun – ob zu den Fahrkartenautomaten oder zur Pünktlichkeit.

Auf dem bunten Marktplatz vor der Halle gab es originelle Fundstücke der Bahngeschichte zu kaufen. Zum Beispiel Original-Mitropa-Geschirr, alte Postkarten, Signallampen oder Verkehrsschilder. „Ich bin ganz glücklich über das Schild ,Friedrichstraße‘, das ich heute ergattert habe. Ich arbeite dort in der Nähe“, strahlt Sabine, die das Event mit ihrem Sohn zum ersten Mal besuchte.

Der 15-jährige Bent ist mit seinen beiden Freunden beim Tag der offenen Tore. Gemeinsam sind sie in den Bewerberzug eingestiegen, um sich über eine Ausbildung bei der S-Bahn zu informieren. Mit etwa 160 Auszubildenden gehört die S-Bahn Berlin zu den größten Ausbildungs­betrieben der Stadt. „Am liebsten will ich Lokführer werden“, meint der Schüler.

Kristin Lübcke

 

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