Ein Tag kann neue Perspektiven eröffnen – und plötzlich wird aus Neugier eine Idee für die Zukunft. Genau diesen Moment soll der Girls’Day und Boys’Day bieten: Jugendliche schnuppern dabei in Berufswelten hinein, die ihnen sonst nicht zugänglich sind. Der Aktionstag zur klischeefreien Berufsorientierung fand dieses Jahr am 23. April statt, auch bei DB Regio Nordost und S-Bahn Berlin. Ein Rückblick.
DB Regio Nordost
Girls’Day in Berlin Lichtenberg
Ein Blick hinter die Kulissen
Der 23. April stand am Standort Berlin-Lichtenberg ganz im Zeichen des Girls’Day. 16 Schülerinnen aus verschiedensten Schulen hatten die Möglichkeit, bei DB Regio Nordost einen Blick hinter die Kulissen zu werfen – insbesondere in die Werkstatt und auf die Züge. Der Tag begann mit einer Sicherheitsunterweisung in den Schulungsräumen.
Gewappnet mit neuem Wissen und Warnwesten startete anschließend das Programm. Aufgeteilt in zwei Gruppen ging es für die eine Hälfte der Schülerinnen mit Pascal Völker und Björn Rothe direkt in die Abstellung, für die andere Hälfte ins Werk.
Schon beim Aufsperren des Führerstands eines ET 442 stellten die Schülerinnen erste Fragen – unter anderem, wofür der große Schlüssel am Schlüsselbund von Pascal Völker sei. Den Nutzen des Vierkants zeigte er ihnen prompt an einem der Schaltkästen. Nach einem Blick auf die vielen weiteren Elemente des Schaltpults und darauf, wie viele Schritte überhaupt nötig sind, um einen Zug in Bewegung zu setzen, fiel der Blick der Schülerinnen auf das Mikrofon. Dieses durften sie direkt selbst testen und ein paar Ansagen machen. Dafür wurde natürlich gleich die Streckenkenntnis geprüft: Angenommen, der Zug wäre auf der RE 7 unterwegs – welche Halte müsste man ansagen? Wie begrüßt man die Fahrgäste? Mit ein bisschen Übung konnten sich die Ansagen der Zwölf- bis Fünfzehnjährigen auf jeden Fall hören lassen. Interessanterweise war das Fahrzeug mit seinen 13 Jahren fast genauso alt wie die Schülerinnen.
Axel Schütze und Denis Martin zeigten den Gruppen jeweils, welche Fahrzeuge in der kleinen und großen Halle vor Ort gewartet und repariert werden. Neben anderen Loks, Gelenktriebwagen, Elektrischen Triebwagen und Triebwagen stand beispielsweise auch ein blaues Fahrzeug der NEB in der Halle. Besonders beeindruckend fanden die Schülerinnen jedoch, wie die schweren Fahrzeuge angehoben werden können. In einem Triebwagen demonstrierten die Kollegen, wie viel Technik in einem solchen Fahrzeug steckt – von den Displays im Führerstand bis hin zur Beleuchtung im Fahrgastraum, die sich mithilfe eines Sensors automatisch an die Helligkeit der Umgebung anpasst.
Außerdem warfen sie einen Blick in den Ultraschallraum und durften vom Dacharbeitsstand aus Elemente wie den Stromabnehmer und den Hauptschalter begutachten. Besonders wichtig war dabei der Hinweis, dass das Klettern auf Züge lebensgefährlich ist und niemals dazu ermutigt werden darf.
Anschließend ging es wieder hinaus auf den Hof. Hier standen Schienen und Weichen im Fokus. Für das Umstellen der etwas hartnäckigen Weichen selbst waren teilweise mehrere Anläufe der Schülerinnen nötig; für das Verständnis, warum Schienen in Spanien teilweise weiß sind, um die Ausdehnung des Materials bei Hitze einzudämmen, hingegen nicht. Und im Hinblick auf die geölten Teile der Weichen war auch klar, dass die Sicherheitseinweisung verstanden wurde und sicherlich in den Alltag der Schülerinnen mitgenommen wird.
Um den Tag abzurunden, stand zum Schluss noch eine Fahrt über Schöneweide und zurück in die Abstellung an. Das Spannendste dabei: ein Blick in den Führerstand eines fahrenden Zuges. Ausgestattet mit Turnbeuteln, Urkunden zum Girls’Day und vielen neuen Erlebnissen endete der Tag schließlich am Bahnsteig in Berlin-Lichtenberg. | Jamie Weber

S-Bahn Berlin
Zukunft zum Anfassen
Besuch im Werk Schöneweide
Wenn Theorie auf Praxis trifft, entsteht Wirkung. Genau das hat der diesjährige Girls’ und Boys’Day der S-Bahn Berlin im Werk Schöneweide eindrucksvoll gezeigt. Statt Frontalformat gab es echte Einblicke – direkt an den Schnittstellen von Technik, Betrieb und Ausbildung. Das Ziel ist klar: frühzeitig Orientierung geben, Rollenbilder aufbrechen und konkrete Einblicke in die Berufswelt rund um die S-Bahn ermöglichen. 36 Jugendliche – 6 Mädchen und 30 Jungen – besuchten das Werk.
Nach der Begrüßung und Sicherheitsunterweisung im Technischen Kabinett durchliefen die Teilnehmenden aufgeteilt in fünf Gruppen unterschiedliche Stationen: Die Werksführung gewährte einen Blick hinter die Kulissen des laufenden Betriebs im S-Bahnwerk Schöneweide – vom Instandhaltungsprozess bis zur Qualitätssicherung. Eine weitere Station lieferte einen kompakten Überblick über Geschichte, Berufsbilder und Karrierewege bei der S-Bahn.
In der Azubiwerkstatt wurde es konkret: Unter Anleitung von Auszubildenden lösten die Teilnehmenden handwerkliche Praxisaufgaben und erlebten Technik zum Anfassen. Sie löteten, bauten einfache Schaltkreise und setzten einen Bedienungsschalter mit Tasten funktional um. Das Ziel war klar: Grundverständnis für elektrotechnische Abläufe schaffen und gleichzeitig Selbstwirksamkeit erzeugen. Die Resonanz: hoch. Die Lernkurve: sichtbar.
Echtes Fahrgefühl bot der Führerstand der S-Bahn-Baureihe 485 und im Promomobil lernten die Jugendlichen beim S-Bahn-Quiz unterhaltsame und interessante Fakten rund um die Berliner S-Bahn. Außerdem konnten die Schüler:innen im beliebten Fahrsimulator ein erstes Gefühl für das Fahren eines S-Bahnzuges bekommen.

Admin (rechts), Auszubildender Elektroniker im Betriebsdienst, führte durch die Systeme, erklärte Anzeigen, Hebel und Sicherheitslogik. Dann wurde es ernst: Maksym übernahm den Platz des Triebfahrzeugführenden. Nach der Einweisung setzte er den Zug auf dem Prüfgleis in Bewegung, beschleunigte kontrolliert bis auf 70 km/h und brachte ihn am definierten Punkt präzise zum Stehen. Foto: Kathrin Fiehn

Beim Löten eines elektronischen Würfels werden Widerstände, Kondensatoren, IC-Sockel, LEDs und Taster auf einer Platine befestigt. Hannes (links), Elektroniker für Geräte und Systeme (EGS) im 2. Ausbildungsjahr, zeigt, wie es funktioniert. Foto: Kathrin Fiehn
Fazit: Ein Tag mit nachhaltigem Effekt
Rund zehn Auszubildende übernahmen gemeinsam mit den Fachkoordinatoren die Betreuung der Gruppen. Das ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts: Kommunikation auf Augenhöhe senkt Hemmschwellen und macht Karrierewege greifbar. Der Girls’ & Boys’Day im Werk Schöneweide war mehr als ein Werksbesuch. Er verband Information, Interaktion und Inspiration. Wer hier erste Eindrücke sammelte, nahm nicht nur Wissen mit – sondern im besten Fall eine klare Perspektive für die eigene berufliche Zukunft bei der S-Bahn. | Kathrin Fiehn

