Zwischen den Regalen eines Prager Antiquariats beginnt ein literarisches Abenteuer, das man besser nicht im Stehen liest. Autor Michal Ajvaz, in Tschechien längst eine Legende, führt in seinem 1993 erschienenen Roman – und nun von Veronika Siska ausgezeichnet ins Deutsche übersetzt – einen namenlosen Ich-Erzähler in eine Parallelstadt, die in Schatten, Spiegeln und Randzonen der Wirklichkeit lauert. Skurrile Kreaturen streifen durch diese Zone, Identitäten kippen, Gewissheiten zerbröseln. Ajvaz schreibt blumig, mit surrealem Witz und philosophischem Eigensinn; Kafka grüßt aus der Ferne. Kein leichtes Buch, eher eine postmodern-schillernde Phantasmagorie, die Geduld verlangt, aber mit funkelnden Einsichten belohnt. | lk

 

Michal Ajvaz, „Die andere Stadt“, Verlag: Allee, 2025, 208 Seiten, 27 €

 

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