Liebe mit über sechzig – das klingt nach Rentnerromanze und Rosamunde Pilcher. Doch Autor Thomas Hettche zieht seine Lovestory fernab von kitschigen Klischees auf. Der promovierte Philosoph und Wahlberliner scheut sich nicht vor liebestheoretischen Exkursen zu Hegel und Foucault. Sein (über sechzigjähriger) Protagonist hat einen ungewöhnlichen Beruf: Max fertigt Glasaugen. Und lernt auf einer Party – am dunklen Ostseestrand – Anna (verheiratet, wenig glücklich, auch Ü60) kennen. Zunächst gehen sie in ihr altes Leben zurück, doch die Sehnsucht bahnt sich ihren Weg. Es entspinnt sich eine „Boy-meets-Girl“-Geschichte in der Boomer-Edition, die beweist, auch im Spätherbst des Lebens ist jede Menge Platz für Schmetterlinge im Bauch. | lk
Thomas Hettche, „Liebe“, Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2026, 176 Seiten, 22 €

